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Eine '''Katastrophe''' (altgriechisch ''stréphein'' ?wenden?) ist ein folgenschweres Unglücksereignis. Oft wird der veraltende Begriff ''Verheerung'' als synonym angesehen.

Allgemeines

Das Wort bedeutet eigentlich ''Wendung'' und bezeichnet speziell den ''Wendepunkt'' der Handlung in der Tragödie,

Eine Katastrophe ist im Zivil-, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz eine größere Gefährdungs- und Gefahrenlage oder ein Schadenereignis. Ersteres umfasst drohenden, letzteres eingetretenen Schaden.

Die ?Wendung? ''(Peripetie)'' ?zum Guten oder zum Schlechten? war im antiken griechischen Drama ein zwingend erforderlicher dramaturgischer Kunstgriff der Handlung, um die Protagonisten ??und mit ihnen das Publikum?? entweder durch neuerliche ?Wendung zum Guten? einer Katharsis (Läuterung) zuzuführen oder bei einer ?Wendung zum Schlechten? für Fehlverhalten der Verdammung anheimfallen zu lassen. Dadurch ist der Begriff bis heute sowohl ethisch besetzt und auch sozialromantisch verklärt, wie auch Gegenstand der Sensationslust.
 Nachbarschaftshilfe aus nicht betroffenen Bereichen und Alarmierung von Hintergrunddiensten (dienstfreien Schichten, [[Freiwillige Feuerwehr|Freiwilligen Feuerwehren]], [[Hilfsorganisation]]en wie dem Roten Kreuz, deren [[Schnelleinsatzgruppe]]n sowie in Deutschland dem [[Technisches Hilfswerk|THW]], beispielsweise durch Ausrufung des [[Ausnahmezustand (Feuerwehr)|Ausnahmezustands]]) die akuten Gefahren etwa binnen eines Tages im Wesentlichen beseitigt werden, so spricht man im engeren Sinn nur von einem ?Massenunfall?, einem ?Großschadenereignis? beziehungsweise ?[[Massenanfall von Verletzten]] der Stufe 1 oder?2?. Lokale Ereignisse werden in aller Regel nicht als Katastrophen eingestuft, weil zum einen das Schadenausmaß begrenzt bleibt, zum anderen aus der näheren Umgebung genügend freie Hilfskräfte herangeführt werden können.

Gemäß dieser Begrifflichkeit (nach DIN?13050, DIN?14011) war beispielsweise
  • das Oderhochwasser 1997 eine Katastrophe, auch wenn auf deutscher Seite keine Menschen zu Schaden kamen, weil die regionalen Kräfte zur Deichverteidigung und damit Gefahrenbeseitigung bei weitem nicht ausreichten. Nationale Unterstützung und massiver Einsatz der Bundeswehr wurde für das mehrwöchige Geschehen erforderlich; Teile der Bevölkerung befüllten Sandsäcke.
  • der zur weiteren Fernverlegung fällt dabei unter Nachbarschaftshilfe zur bestmöglichen Wiederherstellung der Gesundheit.

Die Akutphase ist diejenige, in der Gefahren für Menschen (unversorgte Verletzungen, aber auch Hunger, Seuchen, Kälte) weiter bestehen, Feuer unkontrolliert brennen oder das Wasser noch nicht sinkt. Nicht mehr zur Katastrophenlage zählen dagegen Aufräumarbeiten, Genesung und Wiederaufbau bei behelfsmäßiger Unterbringung und Versorgung betroffener Menschen.

Interpol verwendet aus polizeilicher Sicht (mit einem Schwerpunkt auf Identifizierung betroffener Personen und Getöteter) folgende Definition für eine Katastrophe:
{{Zitat
 |Text=Eine Katastrophe ist ein unerwartetes Ereignis, bei dem zahlreiche Menschen getötet oder verletzt werden. Die Ereignisse, die zu Katastrophen führen können, sind vielfältiger Natur. Denkbar sind somit Einsätze nach Verkehrsunfällen, Naturkatastrophen, technischen Unfällen (Brand, Explosionen), terroristischen Anschlägen und kriegerischen Ereignissen. Hierbei ist zwischen einer offenen und einer geschlossenen Katastrophenform zu unterscheiden.<br />Eine ?offene Katastrophe? ist ein Großschadensereignis, bei dem eine Gruppe unbekannter Personen getötet wurde, über die es keine vorherigen Aufzeichnungen oder Zugehörigkeiten gibt. Bei diesen Ereignissen ist es schwierig, Angaben über die Zahl der Opfer zu erhalten.<br />Eine ?geschlossene Katastrophe? ist ein Großschadensereignis, bei dem eine Gruppe von Personen getötet wurde, die einem festen Kollektiv (z.?B. [[Flugzeugabsturz]] mit Passagierliste) angehört. Handelt es sich um eine geschlossene Katastrophe, sind die antemortalen Vergleichsdaten i.?d.?R. schneller zu erheben. Denkbar sind auch Mischformen (Absturz eines Flugzeuges in ein Wohngebiet).
 |Quelle=Disaster Victim Identification ? Handbuch Interpol 2009
 |ref=<ref>''Disaster Victim Identification'' ? Handbuch Interpol 2009, S. 3, Ziff. 1.4 Klassifizierung Katastrophe (Übersetzung von 

Typologie

Eingetretene oder drohende Katastrophen, pragmatisch aufgezählt, sind unter anderem:
Häufig unterscheidet man, abhängig von der Ursache, zwischen
und
  • technischen Katastrophen.

'''Naturkatastrophen''' sind Naturereignisse, denen Menschen ausgesetzt sind und die zum Ersticken, Ertrinken, Verdursten, Verhungern, Erfrieren, Verbrennen und vergleichbaren ernsthaften körperlichen Beeinträchtigungen (z.?B. Krankheiten, Verätzungen) führen (wie Meteor<nowiki />einschläge, Vulkanausbrüche, Lawinen, Erd- und Seebeben, Hochwasser, Waldbrände u.?a.?m.) Naturkatastrophen bis hin zur Klimakatastrophe sind in ihren Auswirkungen meist ''auch'' sozial beziehungsweise kulturell beeinflusst (sogenannte ''Man Made Disasters''?? siehe Hungersnot): Wenn z.?B. Menschen Vulkanabhänge nicht besiedelt hätten, wäre ein Ausbruch oft keine ?Katastrophe?.

'''Technische Katastrophen''' haben als Auslöser ein Versagen (dazu gehört auch Fehlbedienung) einer technischen Einrichtung.
Diejenigen ?technischen Katastrophen?, die eine verheerende ökologische Beeinträchtigung bewirken, bezeichnet man auch als Umweltkatastrophen. Katastrophen im Verkehr zu Wasser, Land und in der Luft gehören häufig zu den technischen Katastrophen; sie sind hier unter anderen Kategorien, z.?B. Brückeneinstürze oder Brand- und Explosionskatastrophen, zu finden.

Katastrophenmanagement

Ein Katastrophenmanagement soll sicherstellen, dass in einem Notfall angemessen reagiert werden kann.

Es besteht im Allgemeinen aus:
  • Bedrohungs-(Worst-Case-)Analysen
  • Definieren von wahrscheinlichen Katastrophenfällen
  • Festlegen von Handlungsanweisungen
  • Beschaffung notwendiger Mittel und Vorhaltung bzw. Bevorratung an geeigneten Orten
  • Simulation von Katastrophenfällen und Überprüfung, ob die für einen Notfall festgelegten Mittel und Verfahren wirksam sind.
Katastrophenmanagement umfasst

Forschungen zum Katastrophenmanagement wie auch zur wirtschaftlichen Bedeutung von Katastrophen sind an den Universitäten selten, aber etabliert. an der FU Berlin. Das Kieler Institut für Krisenforschung (Krisennavigator) forscht zu wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Aspekten. Die Deutsche Gesellschaft für Krisenmanagement e.?V. (DGfKM) ist der Berufsverband der Krisen- und Katastrophenmanager.

Internationales Katastrophenmanagement bei Konflikten zur Koordination militärischer und ziviler Strukturen zum Schutz von Kulturgütern betreibt das , hat das mit den Worten ?Without the local community and without the local participants, that would be completely impossible? zusammengefasst.

Die Rolle der Medien

Die Berichterstattung und Kommentierung mit Blick auf Katastrophen spielt für die Massenmedien eine erhebliche Rolle. Katastrophen sind unter der Rubrik Schaden ein zentraler Nachrichtenwert und gehören traditionell zu den Themen, die Medien vorrangig beachten und die beim Publikum auf großes Interesse stoßen. Auch die Kommunikationswissenschaft beachtet dieses Forschungsfeld seit langer Zeit sehr stark.

Siehe auch

Literatur

  • Philipp Henn, Gerhard Vowe: ''Facetten von Sicherheit und Unsicherheit. Welches Bild von Terrorismus, Kriminalität und Katastrophen zeigen die Medien?'' In: Medien & Kommunikationswissenschaft, 3/2015, S. 341?362.
  • Jörg Trempler: ''Katastrophen. Ihre Entstehung aus dem Bild''. Wagenbach, Berlin 2013, ISBN 3-8031-5185-6 (Rezension im Deutschlandradio).
  • François Walter: ''Katastrophen. Eine Kulturgeschichte vom 16. bis ins 21. Jahrhundert.'' Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-010699-0.
  • Vladimir Petrovi? Karcev, Petr Michajlovi? Chazanovskij: ''Warum irrten die Experten?'' 3. Auflage. Verlag Technik, Berlin 1990, ISBN 3-341-00545-5.
  • Lars Clausen, Elke M. Geenen, Elísio Macamo (Hrsg.): ''Entsetzliche soziale Prozesse. Theorie und Empirie der Katastrophen.'' LIT, Münster 2003, ISBN 3-8258-6832-X.
  • Wolf R. Dombrowsky: ''Katastrophe und Katastrophenschutz. Eine soziologische Analyse.'' Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 1989, ISBN 3-8244-4029-6.
  • Len Fisher: ''Katastrophen. Wie die Wissenschaft hilft, sie vorherzusagen''. Übersetzt von Jürgen Neubauer. Eichborn, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-8218-6553-9.
  • Mohamed Gad-el-Hak (Hrsg.): ''Large-Scale Disasters. Prediction, Control, and Mitigation.'' Cambridge University Press, Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-87293-5.
  • Ned Halley: ''Das große Buch der Katastrophen.'' Tessloff, Nürnberg 2000, ISBN 3-7886-0499-9.
  • einschließlich Zivilschutz, Brandschutz, Rettungsdienst.'' Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-4009-6.
  • Jörg Meidenbauer (Hrsg.): ''Die großen Katastrophen und Unglücksfälle.'' Chronik-Verlag, Gütersloh 1997, ISBN 3-577-14551-X.
  • Charles Perrow: ''Normale Katastrophen.'' Campus, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-593-34125-5.
  • Sebastian Roth: ''Krisen-Bildung. Aus- und Weiterbildung von KriseninterventionshelferInnen.'' Kovac, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3537-4.
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Hrsg.): ''Dritter Gefahrenbericht der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern.'' Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Bonn 2006, .
  • Martin Voss: ''Symbolische Formen. Grundlagen und Elemente einer Soziologie der Katastrophe.'' Transcript, Bielefeld 2006, ISBN 3-89942-547-2.
  • Gerrit Jasper Schenk, / Historische Sozialforschung.'' 32, Nr.?3, 2007 (Sonderausgabe).
  • Patrick Masius, Jana Sprenger, Eva, Mackowiak (Hrsg.): ''Katastrophen machen Geschichte. Umweltgeschichtliche Prozesse im Spannungsfeld von Ressourcennutzung und Extremereignis.'' Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2010 ISBN 978-3-941875-21-0 gwdg.de (PDF; 3,5?MB).
  • Michaela Maier, Karin Stengel, Joachim Marschall: Nachrichtenwerttheorie. Nomos, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-8329-4266-3.
  • Rene Mono, Helmut Scherer: ''Wer zählt die Toten, nennt die Orte. Ist der internationale Nachrichtenfluss von Länderfaktoren oder Ereignismerkmalen determiniert?'' In: ''Publizistik'', 2/2012, S. 135?159.
  • Johan Galtung, Mari Holmboe Ruge: ''The Structure of Foreign News. The Presentation of the Congo, Cuba and Cyprus Crisis in Four Norwegian Newspapers.'' In: ''Journal of Peace Research'', 2/1965, S. 64?91.
  • Winfried Schulz: ''Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien.'' Alber, Freiburg und München 1976, ISBN 3-495-47331-9.
  • Olaf Briese, Timo Günther: ''Katastrophe: Terminologische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft''. In: ''Archiv für Begriffsgeschichte'', 51, 2009, S. 155?95.
  • Olaf Briese: ''»Genommen auß den Comoedien«. Katastrophenbegriffe der neuzeitlichen Geologie''. In: M. Eggers, M. Rothe (Hrsg.): ''Wissenschaftsgeschichte als Begriffsgeschichte''. transcript, Bielefeld 2009, S. 23?50.
  • Mischa Meier: ''Zur Terminologie der (Natur-)Katastrophe in der griechischen Historiographie - einige einleitende Anmerkungen''. In: G. J. Schenk, J. I. Engels (Hrsg.): ''Historical Disaster Research. Concepts, Methods and Case Studies ? Historische Katastrophenforschung. Begriffe, Konzepte und Fallbeispiele''. Köln 2007 (= ''Historical Social Research'', 32.3 [2007]), S. 44?56.
  • Markus Bertsch und Jörg Trempler (Hrsg.): ''Entfesselte Natur: Das Bild der Katastrophe seit 1600'', Michael Imhof Verlag, Petersberg 2018, ISBN 978-3-7319-0705-3

Weblinks

Einzelnachweise